Beliebter Retrotrend: Polaroid-Kameras

Die Polaroid-Kamera feiert ihr Comeback – sie ist so berühmt, dass der Name Polaroid mittlerweile synonym zum Begriff Sofortbildkamera gebraucht wird. Selbst mit einem modernen Smartphone oder Tablet lassen sich Fotos so bearbeiten, dass sie wie Polaroids aussehen. Die charakteristischen Bilder waren farbig oder schwarz-weiß, quadratisch und hatten unten einen breiten, weißen Rand. Die Fotos waren meist weder sonderlich scharf noch farbecht, aber genau das macht ihren Charme aus.

Eine Polaroid-Kamera, in den Himmel gehalten
Polaroid-Kamera

Wie funktioniert die Entwicklung eines Polaroids?

Bei der sogenannten Trennfilmtechnik wird das Negativ nach dem Fotografieren direkt auf ein Positiv übertragen. Sobald Du das Foto aus der Kamera ziehst, wird der Trennbildfilm zwischen zwei Walzen hindurchgeführt, die eine alkalische Entwicklungspaste auf Positiv und Negativ verteilen. Nach einer Wartezeit von etwa 90 Sekunden kannst Du dann das fertig entwickelte Positiv abziehen.

Bei der neueren Integralfilmtechnik wird der Foto-Film in einer geschlossenen Bildeinheit entwickelt. Das transparente Positiv des Films wird hierbei über einem Spiegel belichtet. Die Bilder sind bei diesem Verfahren nach der üblichen Wartezeit von bis zu 90 Sekunden ohne weitere Entwicklungsschritte fertig.

Mädchen hält eine Polaroidkamera in den Händen
Retro-Zauberkasten Polaroidkamera

Die Polaroid-Kamera – unverzichtbares Arbeitsgerät in vielen Berufen

Kritiker bezeichneten die Polaroid-Kamera als Spielzeug und sagten ihr voraus, dass sie sich nicht lange auf dem Markt halten werde – doch sie sollten sich irren. Viele bekannte Fotografen, darunter Helmut Newton (Link: Bedeutende Fotografen – Helmut Newton) und Ansel Adams, nutzten die Polaroid-Fotografie. Andy Warhol machte von jedem Besucher der Factory ein Polaroid-Foto. Mehr als 22.000 Fotos von verschiedenen Künstlern befinden sich heute in der Polaroid Collection der Harvard University.

Bild einer Polaroidkamera
Oldschool-Polaroidkamera

Auch in anderen Berufszweigen kam die Polaroid-Kamera regelmäßig zum Einsatz: Vor einer Fashion Show machte man Polaroid-Bilder von den Models und brachte diese Porträtaufnahmen an den Kleiderständern an, damit klar war, wer welche Kleidung vorführte. Nicht auszudenken, hätte das falsche Mädchen die Star-Création getragen!

Auch Polizisten verwendeten Polaroid-Kameras zu Erkennungszwecken. Der Schauspieler Hansjörg Felmy, der in den 1970er-Jahren den Kommissar Haferkamp im WDR-Tatort spielte, machte Werbung für das Kameramodell SX-70, die erste Sofortbild-Kamera mit Integralfilmtechnik. Hätte nur Sherlock Holmes solch ein Kamera schon gehabt! Vielleicht wäre Jack the Ripper doch gefasst worden?

Ein Polaroid-Bild wird mit einem Smartphone abfotografiert
Polaroids im digitalen Zeitalter

Was ist an Polaroid-Bildern so besonders?

Die meisten Fotos sind heute digital auf Computern oder Smartphones gespeichert, doch Retrobilder zum Anfassen haben nichts von ihrem Reiz verloren. Immer noch fasziniert die kurze Zeitspanne zwischen Aufnahme und fertig entwickeltem Bild – und das Gefühl, eine Dunkelkammer in Miniformat in den Händen zu halten.

Sobald das Bild aus der Kamera kommt, geht das Warten Bild los: Ungeduldig, ein bisschen aufgeregt und ganz, ganz vorsichtig wedelst Du das Bild hin und her: Sieht man schon was? Einen ähnlichen Kultstatus haben die Fotos aus Passbildautomaten. Vielleicht ist es gerade das so gar nicht perfekte, leicht überbelichtete Ergebnis, das diese Bilder so unwiderstehlich macht.

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