Das Teleobjektiv: Einfach näher dran

Teleobjektiv? Superteleobjektiv? Ultrateleobjektiv? Was hat es damit auf sich? Welche Objektive brauche ich wofür? Und welches Teleobjektiv passt zu mir? Kurz gesagt: Mit einem Teleobjektiv gelingen spektakuläre Nahaufnahmen – selbst winzige Details liegen Dir regelrecht zu Füßen. Für atemberaubende Panoramaaufnahmen solltest Du aber lieber zu einem Weitwinkelobjektiv greifen.

Ein Mann hält unter dunkelgrauen Wolken eine Kamera mit großem Teleobjektiv in der rechten Hand.
Bereit für Action: Das Teleobjektiv

Das Teleobjektiv ist praktisch das Gegenstück zum Weitwinkelobjektiv. Teleobjektiv heißt vor allem eines: eine große Brennweite. Je größer die Brennweite ist, desto stärker ist nämlich der Vergrößerungsfaktor des Objektivs und desto näher holst Du das Motiv heran – ohne dass Du Dich darauf zubewegen müsstest. Hohe Brennweiten wirken außerdem stauchend. So werden beispielsweise Menschen auf dem Bild annähernd gleich groß abgebildet, obwohl sie sich in unterschiedlichen Entfernungen zur Kamera befinden.

Ab 50 Millimetern Brennweite spricht man von einem Teleobjektiv und ab 300 Millimetern von einem Superteleobjektiv, gelegentlich auch von einem Ultrateleobjektiv. Mit steigender Brennweite wird allerdings auch der erfassbare Bildwinkel kleiner – und damit der Bildausschnitt, den Du aufnimmst.

Wofür eignet sich ein Teleobjektiv?

Das Teleobjektiv ist also immer dann das Objektiv der Wahl, wenn Du ein Motiv aus großer Entfernung ganz nah heranholen möchtest – oder musst. Zum Beispiel, wenn Du wilde Tiere mit großem (Sicherheits-)Abstand formatfüllend fotografierst oder einfach nur beobachtest. So störst Du das Lebewesen, das Dein Motiv ist, auch nicht in seinem natürlichen Lebensraum. Das bedeutet für euch beide weniger Stress – und das Bild wirkt authentischer.

A photo by Samuel Scrimshaw. unsplash.com/photos/sseiVD2XsOk
Nahaufnahme: Der Blick ist geschärft

Effektvolle Schärfentiefe

Ein Teleobjektiv eignet sich zudem perfekt dafür, ein Hauptmotiv besonders scharf in Szene zu setzen. Hier kommt Dir die geringe Schärfentiefe zugute, die für Teleobjektive charakteristisch ist. Damit kannst Du rund um das Hauptmotiv bewusst Unschärfe erzeugen, sodass es sich vom Hintergrund abhebt und noch effektvoller in den Mittelpunkt rückt. In der Porträtfotografie ist diese selektive Schärfentiefe ein häufig verwendetes Mittel. Die Bandbreite des Effekts reicht so weit, dass Du den Hintergrund in Farbflächen auflösen und damit wie ein Aquarell wirken lassen kannst. Exzellente Aufnahmen wie diese eignen sich besonders gut um mit Tiefenwirkung hinter hochwertigen Acrylglas ausgestellt zu werden.

More Drama, Baby!

In der professionellen Sportfotografie kommen Teleobjektive ebenfalls häufig zum Einsatz, denn mit ihnen lassen sich Dynamik, Dramatik und Leidenschaft besonders effektvoll festhalten – zumindest, wenn das Timing stimmt. Je rasanter und actionreicher die Szene, desto wichtiger ist es, im richtigen Augenblick den Auslöser zu drücken. Dafür heißt es oft erst einmal: warten.

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Action: Den richtigen Moment abgewartet

Weil es häufig um Bruchteile von Sekunden geht, solltest Du die Belichtungszeit entsprechend kurz wählen. Die Lichtempfindlichkeit einer Kamera hängt mit der Größe des Objektivs zusammen: Je größer es ist, desto größer ist in der Regel auch die Blende. Der Haken an der Sache: Mit der Größe des Objektivs steigt in der Regel nicht nur dessen Preis, sondern auch das Gewicht. Ein freihändiger Einsatz wird dann schnell zur Herausforderung: Die Gefahr von Verwackelungen steigt, je länger Du auf das richtige Bild warten musst.

Freihand-Aufnahme oder Stativ?

Willst Du trotzdem freihändig knipsen oder brauchst Du einfach mehr Beweglichkeit, dann arbeite mit kurzen Verschlusszeiten. Auch ein Bildstabilisator kann eine gute Hilfe sein. Musst Du aber länger auf den richtigen Moment warten, dann ist es sinnvoll, ein Stativ in Deine Standardausrüstung aufzunehmen. Das gilt besonders für die Wildtierfotografie, wo lange Wartezeiten eher die Regel als die Ausnahme sind.

Je größer und schwerer das Objektiv ist, desto gründlicher solltest Du den Einsatz planen, denn schon der Transport wird zur Herausforderung. Ein lichtstarkes, knapp 4 Kilo schweres Teleobjektiv mit 400 Millimetern Festbrennweite eignet sich zwar perfekt für Safari und Fußball-Endspiel – aber eher für den stationären Einsatz als für eine lange Wanderung auf beschwerlichem Terrain, um zum Motiv zu gelangen.

Zwei Boxer im Ring. Ringsum Scheinwerferlicht. Der Boxer im Vordergrund setzt eine linke Gerade gegen den Kopf seines Gegners.
Mittendrin statt nur dabei – dank Timing und Teleobjektiv

Fazit:

  • Mit einem Teleobjektiv kannst Du entfernte Motive ganz nah heranholen, ohne Dich selbst anzunähern.
  • Dank der geringen Schärfentiefe kannst Du tolle Effekte erzielen und das Hauptmotiv eindrucksvoll herausarbeiten.
  • Dynamische Sportszenen setzt Du so lebensecht und detailliert in Szene, als würde sich der Betrachter mitten im Geschehen befinden.
  • Porträtbilder und Detailaufnahmen gelingen mit einem leichten, lichtstarken Teleobjektiv besonders gut. Neben Schärfentiefe-Effekten sind perspektivisch verzerrungsfreie Bilder mit brillanter Schärfe in der Bildmitte möglich, außerdem natürliche Farb- und Hauttöne.
  • Beim Fotografieren mit einem schweren Teleobjektiv ist ein Stativ für unterwegs eine gute Wahl. Zwar büßt Du Beweglichkeit ein, dafür trägst Du aber weniger Gewicht. Und bei langen Wartezeiten verhindert es, dass Du im entscheidenden Moment verwackelst.

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