Doppelbelichtung: Zwei Bilder in einem

Vermutlich hat jeder schon einmal irgendwann Fotos mit einem Mehrfachbelichtungseffekt gesehen. Davon spricht man, wenn zwei oder mehr Motive in einem Foto aufeinanderliegen. Eine in den 90er-Jahren sehr beliebte, heute allerdings nur noch selten genutzte Variante der Doppelbelichtung kam vor allem bei Portraits zum Einsatz, insbesondere bei Kinderbildern: Auf dem Bild war sowohl das normale Portrait mit einer Front- oder leichten Seitenansicht zu sehen als auch eine Nahaufnahme im Profil. Ebenso beliebt waren Mehrfachbelichtungen, um Sportbewegungen mit echten Menschen statt Zeichnungen zu illustrieren. Sicher hast auch Du einige solcher Bilder von Bewegungsabläufe schon mal in Sportbüchern gesehen. Aber die Mehrfachbelichtung bietet noch sehr viel mehr Möglichkeiten und ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Fotokunst. Besonders, wenn Du aus Freude noch analog fotografierst, hast Du Dich bestimmt bereits mit dem Thema auseinandergesetzt. Und wenn nicht, dann wird es höchste Zeit!

Doppelbelichtung: Junger Mann mit Kamera verschwimmt mit Aufnahmen einer Stadt aus erhöhter Perspektive.
Die künstlerische Freiheit mit Mehrfachbelichtungen ist nahezu unbegrenzt.

Die Doppelbelichtung mit analogen Kameras

Das technische Prinzip ist simpel und erklärt auch den Namen: Bei der Doppelbelichtung werden zwei Bilder auf ein und dasselbe Stück Film belichtet. Für den Film bedeutet das, dass sich sowohl Licht an diesen Stellen addiert als auch Farben (beim Farbfilm) an dieser Stelle vermischen. Eine Schwierigkeit entsteht durch die Addition des Lichtes auf dem Film – besonders, wenn beide Motive sehr hell sind. Ist ein Motiv so hell, dass der Film es weiß darstellt, sieht man das zweite Motiv nicht mehr an dieser Stelle. Umgekehrt ist bei dunklen Stellen, die quasi unbelichtet blieben, nur das zweite, hellere Motiv zu sehen. Bei der Doppelbelichtung muss man daher genau abwägen, wie stark die Motive belichtet sind, was am Ende sichtbar bleibt und welche Teile vom Bild durch weiße oder schwarze Flächen verschluckt werden. Bewegen sich beide Motive im selben Lichtspektrum, sind beide Motive klar und gleichberechtigt zu erkennen. Als Fotograf hat man hier viel Spielraum, was den besonderen Reiz der Doppelbelichtung ausmacht. Allerdings benötigt man für eine gelungene Fotokomposition bei dieser Technik auch etwas Übung. Verzweifle also nicht, wenn es nicht gleich auf Anhieb klappt.

Doppelbelichtung von Häuserfront und einer alten Straßenlaterne
Die Motive sind nahezu gleichwertig und verschwimmen miteinander, Foto „ Lomo Konstruktor Feb 2014 dresden (21) “ von Bernd Hutschenreuther, CC BY SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Einstellungen bei der analogen Doppelbelichtung

Damit die unterschiedlichen Motive am Ende alle gleichermaßen zu erkennen sind, gilt es, die richtige Helligkeit für die Einzelmotive zu finden. Idealerweise teilen sich die Motive die Belichtung fifty-fifty – hier lässt sich technisch nachhelfen, indem Du Belichtungszeit und Blende anpasst. Die Belichtungszeit sollte halbiert und die Blendenstufe um eins reduziert werden. Wenn Du den Film drei- oder sogar viermal belichten möchtest, musst Du die Werte entsprechend weiter reduzieren. Die größte technische Hürde ist jedoch die Kamera selbst. Man muss sie schließlich dazu bringen, die gleiche Stelle des Films mehrmals zu belichten. Und das ist von Modell zu Modell unterschiedlich leicht zu handhaben. Bei Modellen, bei denen per Hand weitergespult wird, ist das Ganze recht simpel, da man lediglich nicht weiterspult und schon wird dieselbe Stelle noch einmal belichtet. Einige Geräte verfügen sogar über einen speziellen Knopf für Doppelbelichtungen. Bei Kameras mit automatischem Filmtransport gibt es für fast alle Modelle Workarounds und im schlimmsten Fall lässt sich behelfen, indem einfach der gesamte Film mehrfachbelichtet wird.

Doppelbelichtung – verträumte junge Frau und gelbe Blüten.
Hier hat der Fotograf einfach experimentiert und einen ganzen Film doppelbelichtet, Foto „Hoa vs Yellow Cosmos“ von Khánh Hmoong, CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Mehrfachbelichtung mit Digitalkameras

Auch im digitalen Zeitalter wird die Doppelbelichtung vereinzelt als Stilmittel genutzt. Und das, obwohl eigentlich kein Film mehr belichtet wird: Einige Hersteller fördern nämlich diese alte Technik und statten ihre DSLR-Modelle mittlerweile mit speziellen Doppel- und Mehrfachbelichtungsoptionen aus, die das klassische Prinzip kopieren und in einen speziellen Aufnahmemodus übersetzen. Ob die Ergebnisse letztlich mit analogen Doppelbelichtungen vergleichbar sind, darüber scheiden sich die Geister. Eines fehlt jedoch auf jeden Fall: Die Herausforderung, diesen Trick in der analogen Fotografie erfolgreich zu meistern und alle Kniffe zu beherrschen. Zudem ist dieser spezielle Aufnahmemodus nur bei sehr wenigen Digitalkameras verfügbar, sodass mit den meisten Digitalkameras schlicht keine Mehrfachbelichtungen möglich sind. Aber zum Glück gibt es Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop, mit deren Hilfe dieser Effekt digital nachgestellt werden kann.

Photoshop für „gefakte“ Doppelbelichtungen

Falsche Doppelbelichtung von junger Frau und Ästen eines Baumes.
Eine „falsche“ Doppelbelichtung durch Bildbearbeitung, Foto „Faux Double Exposure“ von Al Ibrahim, CC BY SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Mit der klassischen Doppelbelichtung hat das Ergebnis einer Photoshop-Bearbeitung natürlich nicht viel zu tun, außer dass der optische Effekt ein ähnlicher ist und Laien der Unterschied beim Betrachten kaum auffällt. Um den Effekt einer Doppelbelichtung via Photoshop zu erzielen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Die einfachste ist, die Bilder als Ebenen übereinanderzulegen, transparenter zu machen und die Farbwerte anzupassen, sodass die Motive genauso verschmelzen, wie es bei einer realen Doppelbelichtung der Fall wäre.

Zusammenfassung & Fazit: Fotokunst mit Mehrfachbelichtung

  • Analoge Mehrfachbelichtung erfordert Übung.
  • Mehrfachbelichtung wird schon seit Jahrzehnten eingesetzt.
  • Das Lichtspektrum der fotografierten Bereiche muss ähnlich sein, damit die Motive möglichst gleichberechtigt sichtbar sind.
  • Mit Blende und Belichtungszeit lässt sich technisch nachhelfen.
  • Neue Digitalkameras sind zum Teil mit einem Doppelbelichtungs-Modus ausgestattet.
  • Mit Photoshop kann man den Effekt einer Doppelbelichtung imitieren.
Doppelbelichtung einer Fußgängerzone , aus zwei unterschiedlichen Blcikpunkten, in schwarz-weiß
Selbst vermeintlich simple Motive bekommen mit Doppelbelichtung eine ganz andere Aussagekraft, Foto „Busy Street Double Exposure“ von Nick Page, CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Auch wenn einige Kamerahersteller ihre DSLRs mit Mehrfachbelichtungsfunktionen ausstatten und der Effekt mithilfe von Bildbearbeitungsprogrammen mittlerweile erfolgreich imitiert werden, steckt die wahre Magie der Technik im Analogen. Sie entsteht dann, wenn Du Dir als Fotograf doppelt Gedanken über die Komposition und das Motiv machst und hoffst, dass der Film Deine Vorstellung genau eingefangen hat. Und selbst wenn nicht, kann die Doppelbelichtung dafür sorgen, dass ein interessantes Gesamtbild entsteht. Die künstlerischen Freiheiten mit dieser alten und gleichzeitig spannenden Technik sind einfach grenzenlos und immer wieder faszinierend.

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