Festbrennweite oder Zoom?

Nicht nur Anfänger stehen zuweilen etwas hilflos vor der Frage: „Soll es ein Zoomobjektiv oder eine Festbrennweite sein?“ Meist ist das eine Grundsatzfrage: Ein Zoomobjektiv ist ein Generalist, ein Objektiv mit fester Brennweite eher ein Spezialist. Und wie so oft gibt es in beiden Fällen Vor- und Nachteile. Nicht zuletzt geht es um die Situation, um den Zweck und um die persönliche Vorliebe. Und so manchen „Nachteil“ kannst Du mit etwas Übung sogar in einen Vorteil verwandeln.

Eine Kamera und verschiedene Objektive auf hellem Untergrund.
Objektiv-Vielfalt: Luxusproblem oder Qual der Wahl?

Digitaler Zoom und optischer Zoom

Was bedeutet eigentlich Zoom? Einfach gesagt: Das Objekt bzw. Gesamtmotiv rückt näher heran, obwohl Du selbst Deine Position nicht veränderst, also nicht etwa darauf zugehst. Doch Zoom ist nicht gleich Zoom: Beim sogenannten optischen Zoom verschieben sich die Linsen im Objektiv auf mechanische Weise. So vergrößert sich der Bildwinkel, den Du ablichten kannst. Das steuerst Du entweder elektronisch per Tastendruck oder manuell, indem Du einen Ring am Zoomobjektiv verschiebst.

Beim digitalen Zoom rechnet dagegen ein Prozessor in der Kamera die Bildinformationen hoch und bewirkt auf diese Weise eine starke Vergrößerung des Motivs. Wird der Zoom digital ausgelöst, leiden Auflösung und Qualität des Bildes allerdings meist deutlich. Je stärker Du das Motiv vergrößerst, desto schlechter wird die Qualität. Mit dem optischen Zoom vieler Objektive erzielst Du dagegen auch im mittleren Vergrößerungsbereich noch sehr gute Ergebnisse.

Tipp: Experimentiere mit dem optischen und digitalen Zoom, denn beide Optionen lassen sich kombinieren. Setze den digitalen Zoom dabei eher sparsam ein, um die Bildqualität nicht zu sehr zu beeinträchtigen.

Generalist trifft Spezialisten: Zoom oder Festbrennweite?

Eigentlich kann man die Wahl des Objektivs auf eine ganz banale Frage herunterbrechen: Möchtest Du zoomen können oder nicht? Zoomobjektive arbeiten mit variabler Brennweite. Selbst ferne Motive holst Du im Handumdrehen ganz nah zu Dir heran. Das schafft Flexibilität und sorgt für Komfort. Fotografierst Du dagegen mit einer Festbrennweite, musst Du Deinen Standort so wählen, dass Du das Motiv optimal erfasst. Im Zweifel musst Du also näher dran oder Dich weiter davon entfernen, um den gewünschten Bildausschnitt und Schärfegrad zu treffen. Anstatt einfach zu zoomen ist also etwas Laufarbeit gefragt – die mit steigender Erfahrung aber entsprechend seltener nötig sein wird.

Kleiner gelb-grauer Vogel zwischen Pflanzen.
Ein Fall fürs Teleobjektiv – oder für ein gutes Zoomobjektiv. Gehst Du zu nah heran, posiert das Modell womöglich weniger entspannt.

Bewusster fotografieren

Haben Zoomobjektive also dank Flexibilität die Nase vorn? Ganz so einfach ist es nicht, denn weniger ist manchmal mehr: Gerade, weil die Position zum Motiv mit einer Festbrennweite immens wichtig wird, lernst Du damit tatsächlich, bewusster zu fotografieren. Du denkst über Perspektive und Bildgestaltung nach, bevor Du den Auslöser drückst. Das Fotografieren fühlt sich einfach anders an – und die Umstellung gelingt erstaunlich schnell.

Anstatt in verschiedenen Zoomstufen viele Bilder vom selben Motiv zu machen und hinterher das beste auszusuchen, beginnt mit einer Festbrennweite die Vorauswahl bereits in Deinem Kopf. So machst Du vielleicht weniger Bilder, idealerweise aber bessere, weil durchdachtere. Dabei schulst Du fast beiläufig wichtige Skills, wie zum Beispiel Deinen Blick für Bildaufteilung und Gestaltung. Du entwickelst ein Gefühl dafür, wie Du Motive in Szene setzt, wie Perspektiven wirken – und entdeckst dabei womöglich ganz neue! Eine vermeintliche Einschränkung kann so zu einer Stärke werden.

Last statt Lust?

All das sind natürlich Fähigkeiten, die Dir ebenso zugutekommen, wenn Du zwischendurch mal wieder mit dem Zoomobjektiv losziehst. Dieses bezahlt seine Flexibilität allerdings oft mit Abstrichen bei der Darstellung – Zoomobjektive sind also ein Kompromiss zwischen Komfort und Bildqualität. Zudem sind sie aufgrund ihrer Größe vergleichsweise schwer; eine Festbrennweite wiegt oft nur die Hälfte. Ist die Kamera also viel im Einsatz, zum Beispiel auf einer Fotoreise, wo ein Traummotiv das nächste jagt, sorgt das natürlich für mehr Komfort. Hast Du allerdings verschiedene Festbrennweiten im Gepäck, hebt sich der Gewichtsvorteil schnell wieder auf.

Kanal mit Booten und farbenfrohen venezianischen Häusern.
Ob Zoom oder Festbrennweite: Deine Bildidee und die Wahl der Perspektive sind entscheidend.

Ähnlich zweiseitig verhält es sich mit den Anschaffungskosten. Während Festbrennweiten häufig schon als günstige Einstiegsmodelle zu haben sind, sind Zoomobjektive meist teurer. Da Festbrennweiten aber Spezialisten für bestimmte Aufnahmesituationen sind, musst Du Dir ggf. verschiedene Objektive zulegen, wenn Du den Einsatzbereich erweitern willst. Das reduziert den Kostenvorteil und sorgt für mehr Gepäck. Die Kamera selbst liegt aber leichter in der Hand, als wenn Du dauerhaft ein schweres Zoomobjektiv aufgeschraubt hast.

Licht und Schatten

Festbrennweiten sind nicht nur klein und kompakt, sondern gerade deshalb meist sehr lichtstark. Im Gegensatz zum langen Zoomobjektiv gelangt mehr Licht auf den Bildsensor. So gelingen auch bei schlechtem Licht noch gute Aufnahmen, ohne dass Du erst die Belichtungszeit oder den ISO-Wert (die Lichtempfindlichkeit) anpassen musst. Außerdem profitieren Bildschärfe und Kontrast.

Auch für Porträtfotos eignet sich eine Festbrennweite wunderbar, denn je größer die Blendenöffnung ist, desto geringer ist auch die Schärfentiefe. Im Klartext bedeutet das: Du erfasst das Hauptmotiv im Vordergrund mit brillanter Schärfe, während der Hintergrund verschwimmt. So wirkt das Hauptmotiv besonders exponiert.

Die Lichtstärke des Objektivs hat noch eine weitere Auswirkung: Je länger die Belichtungszeit ist (oder je länger Du auf ein Motiv warten musst), desto größer ist die Gefahr, eine Aufnahme zu verwackeln. Schließlich musst Du die Kamera längere Zeit ruhig halten. Festbrennweiten mit kurzen Belichtungszeiten sind hier also von Vorteil. Für bestimmte Foto-Effekte sind lange Belichtungszeiten allerdings eine Voraussetzung – zum Beispiel wenn Du Blitze fotografierst. Ein Stativ schafft hier zwar Abhilfe, schlägt dafür aber wiederum mit mehr Gewicht zu Buche.

Kleiner Junge vor einer Bretterwand hält sich ein braunes Ahornblatt vors Gesicht.
Ob schüchtern oder nicht: Mit Festbrennweiten gelingen besonders gute Porträts.

Fazit

Während viele Fotografen ihr flexibles Zoomobjektiv lieben, sind andere davon überzeugt, dass sie mit einer Festbrennweite einfach bessere Bilder machen – oder finden sogar, dass das Fotografieren so generell mehr Spaß macht. Die persönliche Vorliebe, das subjektive Empfinden ist also ein wichtiges Kriterium.

Sowohl Festbrennweiten als auch Zoomobjektive haben also durchaus ihre Existenzberechtigung. Zudem sind Erfahrungen mit beiden Objektiven gleichermaßen bereichernd. Während die Flexibilität das große Plus des Zoomobjektivs ist, sind es gerade die „Einschränkungen“ der Festbrennweite, die im Gegenzug fast automatisch essenzielle Skills beim Fotografieren schulen. Eben deshalb sind Festbrennweiten auch für Anfänger sehr empfehlenswert. Welches Objektiv wann die Nase vorn hat, hängt wie erwähnt von der Situation und von persönlichen Vorlieben ab. Am Ende entscheidet schlicht und einfach, was Dir ganz persönlich mehr Spaß macht.

Pro und Contra im Überblick:

Festbrennweite

Vorteile

  • Du fotografierst bewusster.
  • Auch bei schlechtem Licht gelingen gute Fotos ohne umfangreiche Anpassungen.
  • Kurze Belichtungszeiten ermöglichen eine hohe Bildschärfe und hervorragende Kontraste.
  • Ein vergleichsweise geringes Gewicht sorgt für Komfort beim Knipsen.

Nachteile

  • Du kannst nicht zoomen und musst im richtigen Abstand ans Motiv heran.
  • Jede Festbrennweite ist nur auf bestimmte Aufnahmesituationen spezialisiert.
  • Wenn Du mehrere Festbrennweiten mitnimmst, wird der Gewichtsvorteil aufgehoben.

Zoomobjektiv

Vorteile

  • Du kannst bequem ans Motiv heranzoomen, den Bildausschnitt wechseln und aus variabler Entfernung knipsen.
  • Das erspart Dir Laufarbeit.
  • Du brauchst nur ein Objektiv und reagierst stets flexibel auf Dein Motiv – auch ohne groß vorauszuplanen.

Nachteile

  • Bei schlechtem Licht musst Du Anpassungen vornehmen.
  • Das Objektiv ist schwerer.
  • Damit Dir das Motiv auch bei langen Belichtungszeiten nicht verwackelt (oder wenn Du lange auf Dein Motiv warten musst), ist ein Stativ Gold wert.

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