Makrofotografie für Anfänger und Fortgeschrittene

Was genau ist eigentlich Makrofotografie? Zunächst die technische Erklärung: Bei der Makrofotografie wird das Bildobjekt im Maßstabbereich zwischen 1:10 und 10:1 abgebildet. Der Maßstab beschreibt das Verhältnis der Abbildungsgröße des Objekts auf der Bildebene zu dessen tatsächlicher Größe. Die Makrofotografie ist also die Kunst der Nahaufnahme und Vorstufe der Mikrofotografie, die mit noch sehr viel größeren Abbildungsmaßstäben arbeitet, um selbst sehr kleine Motive zu erfassen, die für das bloße Auge kaum oder gar nicht mehr sichtbar sind.

Eine Spinne beim Netzbau in Nahaufnahme.
Baukunst unter der Lupe.

Mit den Details auf Augenhöhe

Weniger technisch ausgedrückt, sind ungewohnte Perspektiven eine Stärke der Makrofotografie: Es geht darum, das Augenmerk zum Beispiel auf besondere Strukturen zu lenken oder Dinge festzuhalten, die so klein sind, dass man sie für gewöhnlich übersieht oder bestenfalls als winzigen Teil des Gesamtbilds wahrnimmt, obwohl eine nähere Betrachtung sich durchaus lohnen kann.

Das Motiv steht ganz und gar im Mittelpunkt. Und störendes Beiwerk lässt sich wunderbar ausblenden, je näher Du Dich ans eigentliche Ziel heranwagst. Bei Aufnahmen im Nahbereich kommt Dir auch eine sehr geringe Schärfentiefe zugute, die das Motiv noch exponierter darzustellen hilft.

Die Bandbreite an Motiven ist dabei unbegrenzt. Sehr beliebt sind beispielsweise Objekte in der Natur oder kleine Lebewesen wie Insekten. Klassische Szenen wie funkelnde Tautropfen auf einem zarten Grashalm in Großaufnahme oder das Auge einer Hornisse geben effektvolle Bilder ab. Auch im Bereich der Food-Fotografie spielt die Makrofotografie gekonnt ihre Stärken aus.

Eine unversehrte Schneeflocke auf blauer Wolle.
Weich gelandet: Eine Schneeflocke auf gewebter Wolle.

Das perfekte Licht

Für wirklich gute Fotos muss die Beleuchtung stimmen. Direktes Sonnenlicht ist jedoch ein sehr hartes Licht, das gleich zwei ungünstige Extreme mit sich bringt: Entweder überstrahlt es Dein Motiv und löst dessen Konturen auf, oder es wirft unschöne Schatten darauf. Ideal ist hingegen indirektes, diffuses Licht, denn diffuses Licht ist weiches Licht, das Dein Motiv sanft umspielt und gleichmäßig ausleuchtet. Diffuses Licht herrscht zum Beispiel bei bedecktem Himmel, sofern es dabei nicht zu dunkel ist, sowie bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang.

Wenn Du trotzdem unbedingt bei voller Mittagssonne losziehen willst, kannst Du das harte Licht abmildern, indem Du das Motiv komplett mit Deinem eigenen Schatten bedeckst. Oder Du hältst einen Diffusor zwischen Sonne und Motiv. Dieser streut das Sonnenlicht und sorgt für weiche Schatten. Um Diffusor und Kamera zu koordinieren, reichen zwei Hände allerdings nicht. Im Idealfall hast Du also noch einen Helfer dabei.

Auch Gegenlicht kannst und solltest Du effektvoll einsetzen. Wenn Du zum Beispiel ein Spinnennetz zwischen grünen Zweigen aufnimmst, dessen taubehangenen, filigranen Fäden im Licht der Morgensonne glitzern, kann das ein wunderbares Bild abgeben. Natürlich darf es gern auch weniger Pathos sein. Um eine knackige Schärfe zu erreichen, machst Du außerdem den Autofokus aus und fokussierst stattdessen manuell.

Fünf Ameisen bilden eine Brücke, um ihr Ziel zu erreichen.
Teamwork und Timing: Ameisen bilden zusammen eine fotogene Brücke.

Welche Kamera für die Makrofotografie?

Du kannst heute viele moderne Kameras und Digitalkameras für Nahaufnahmen nutzen. Sogar mit dem Smartphone sind meist schon brauchbare Nahaufnahmen möglich. Wenn Du die Qualität aber erhöhen willst, wählst Du am besten eine Kamera, die sich mit Wechselobjektiven bestücken lässt. Denn erst mit dem richtigen Objektiv holst Du das Maximum aus jeder Aufnahme heraus.

Welche Objektive eignen sich?

  • Sogenannte Nahlinsen sind eine günstige Variante, die sich eher an den Hobby-Knipser richtet. Nahlinsen verkürzen die Brennweite und lassen sich vor ein Objektiv schrauben. Der Gewindedurchmesser muss dabei zum jeweiligen Objektiv passen. Der Vorteil der Nahlinse: Im Gegensatz zur Variante mit Zwischenring besteht kein Lichtverlust. Der Nachteil: Wenn Du Objektive mit verschiedenen Durchmessern nutzt, brauchst Du auch mehrere Nahlinsen. Mit einem passenden Reduzierring lassen sich größere Nahlinsen allerdings auch an ein kleineres Objektiv anpassen.
  • Der eben schon erwähnte Zwischenring ist meist etwas teurer als eine Nahlinse, erreicht aber tendenziell eine bessere optische Qualität, indem er die Bildweite des Objektivs vergrößert. Zwischen Gehäuse und Objektiv eingesetzt, verbessert ein Zwischenring den Naheinstellbereich ohne große optische Verluste. Allerdings reduziert ein Zwischenring die Lichtstärke. Über ISO-Wert, Blende und Verschlusszeit lässt sich das jedoch ausgleichen.
  • Die erheblich teurere Lösung, dafür aber auch eine qualitative Spitzenlösung, ist das Makroobjektiv. Die sog. Makros sind speziell für den Naheinsatz optimiert und besitzen üblicherweise eine feste Brennweite zwischen 40 und 200 Millimetern. Eine 50er-Brennweite entspricht etwa dem Sehwinkel des Auges und ist in der Makrofotografie auch für Anfänger flexibel einzusetzen und vor allem bei statischen Motiven eine gute Wahl. Der Abstand zum Motiv ist dabei sehr gering. Ist das Motiv ein Lebewesen, das zum Flüchten neigt, muss ein Tele-Makro ab 105 Millimetern Brennweite her. Je höher die Brennweite, desto kleiner wird allerdings im Gegenzug der Schärfebereich. Das muss aber kein Nachteil sein, denn das eigentliche Motiv wird dadurch nur noch besser freigestellt.
Glitzernde Tautropfen in Nahaufnahme.
Ein Klassiker: Tautropfen auf grünem Blatt.

Stativ, Aufsatz und Fernauslöser

Ein Stativ hilft Dir, sauber zu fokussieren. Mit einem Kugelkopf als Stativ-Aufsatz richtest Du die Kamera zwar schneller in mehreren Bewegungsebenen aus und fängst so auch bewegte Motive ein. Mit einem Dreiwegneiger arbeitest Du dafür präziser. Da die Feineinstellung hier mehr Zeit erfordert, solltest Du ihn vor allem bei statischen Motiven nutzen. Am besten kombinierst Du zudem einen Fernauslöser, damit im entscheidenden Moment auch nichts verwackelt. Wenn Du den Auslöser Deiner Kamera manuell bedienst, kann das leicht passieren.

Tipp: Mit einer Schnellwechselplatte tauschst Du im Handumdrehen den Stativaufsatz aus. So reagierst Du flexibel auf das jeweilige Motiv.

Zusammengefasst:

Makrofotografie ist ein Abenteuer. Die richtige Technik hilft, es erfolgreich zu meistern. Wenn Du genau hinschaust und Dich mit den kleinen, oft sogar alltäglichen Details auf Augenhöhe begibst, kannst Du unendlich viel entdecken und tolle Bilder machen. Hier nochmals die wichtigsten Makrofoto-Tipps zusammengefasst:

  • Ohne Licht geht nichts! Meide direktes, hartes Licht. Nutze diffuses Licht, das Dein Motiv umspielt, ohne es zu überstrahlen, und dabei für weiche Schatten sorgt.
  • Stell die Schärfe lieber manuell ein, als auf den Autofokus zu vertrauen.
  • Ein Stativ mit geeignetem Aufsatz ist empfehlenswert; genauso wie ein Fernauslöser, damit nichts verwackelt.
  • Es geht zwar oft auch ohne, aber letztlich macht das richtige Objektiv den Unterschied. Makroobjektive sind der Königsweg.
  • Ein Makroobjektiv mit 50er-Brennweite ist eine gute Wahl für statische Motive.
  • Wenn Dein Motiv zum Flüchten neigt, nähere Dich vorsichtig an und verwende am besten ein Tele-Makro.

Unser Tipp: Effektvolle Nahaufnahmen setzt Du besonders gut in Szene, wenn Du sie professionell in Groß auf Leinwand drucken lässt! Wir helfen gern dabei.

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